Demokralismus

„Der Grund, warum wir in Deutschland, in Großbritannien, in Griechenland oder in den Vereinigten Staaten eine Demokratie haben, ist darin begründet, dass Kapitalismus ohne Demokratie ein sehr unzivilisiertes System ist, in dem das Leben gemein, brutal und kurz ist.“
Yanis Varoufakis

Nachruf auf Helmut Schmidt

Ich weiß, dass es keine gute Geste ist, einen Toten zu kritisieren. Er kann sich schließlich nicht mehr wehren. Aber gegen den emotionalen Überschwang muss ich einfach mal etwas sagen.

Es heißt, Helmut Schmidt sei diszipliniert bis zur Selbstzerstörung gewesen. Das mag einem Preußen gefallen.

Und im Politikbetrieb, der ein Sammelplatz für egobesoffene Alphatiere ist, mag das vielleicht angenehm auffallen.

Ich bin aber der Ansicht, dass Disziplin in der Demokratie eine sekundäre Tugend ist. Eine primäre Tugend muss die Menschenliebe sein.

Man kann in der Demokratie keine Politik gehen die Menschen machen. Sonst ist das bestenfalls noch Monarchie, notfalls hanseatische.

Helmut Schmidt war vielleicht ein guter Staatsmann, aber kein guter Politiker. Mit ihm hat die SPD ihr Gesicht, ich meine natürlich ihr menschliches, verloren.

Denn der Satz „Eine Demokratie darf sich nicht erpressen lassen“ ist ebenso richtig wie heuchlerisch. Eine Demokratie, die erpresst werden soll, hat bereits den Diskurs aufgegeben. Und das war in den 60ern und 70ern der Fall.