Ich fürchte, dass bei der hektischen Jagd zur Befriedigung immer größerer Konsumansprüche schließlich eine trostlose Verödung des geistigen Lebens immer weiterer Kreise der Wohlstandsgesellschaft und eine schneller zunehmende Auflösung unserer seelischen, religiösen und kulturellen Kräfte die Folge sein werden.

Wenn dann infolge zu schnellen und zu weitgehenden wirtschaftlichen Wachstums materielle Krisen, wenn auch kleinerer Dimension als die in „Die Grenzen des Wachstums“ angekündigten, hinzutreten sollten, wird eine seelisch ausgehöhlte Menschheit dem Chaos weltweiter brutalster Auseinandersetzungen nicht entgehen können.

Eduard Prestel, The Club of Rome, 1973

Jagd zur Befriedigung

Paradies

Treffen sich ein Rabbiner und ein Pastor morgens auf der Strasse. Der Pastor: „Ich habe heute Nacht geträumt,  ich sei im jüdischen Paradies. Ein Gestank! Und ein Schmutz! Und Lumpen in allen Ecken! Und ein Haufen Leute … entsetzlich!“
„Wie sich das trifft“, so der Rabbiner. „Ich habe heute Nacht geträumt, ich sei im christlichen Paradies. Wunderschöne Düfte umflossen mich, überall Blumen, herrliche Bäume – und weit und breit kein Mensch.“
(Französischer Witz aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, zitiert von Kurt Tucholsky)

Stock und Stein

Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als amn noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“. Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben.

Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“ Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich dah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, „meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“

Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche und dort blieb er liegen als ständigen Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selbst gegeben hatte: „NIEMALS GEWALT!

Astrid Lindgren, 1978