Das Egozentrische Weltbild

Den Griechen, als Seefahrer gewöhnt, den Blick zu den Sternen zu richten, schien es einleuchtend, dass der Himmel sich um die Erde dreht. Das geozentrische Weltbild, wie man es fürderhin nannte, wurde im klassischen Altertum in Griechenland erstmal schriftlich fixiert.  Es basiert auf der Annahme, dass die Erde und damit auch der Mensch das Zentrum des Universums sei. Alle Bewegungen des Mondes, der Sonne und der Planeten sollten also um die als ruhend oder um ihre Achse rotierend gedachte Erde führen.

Diese Sicht bewies, wie wir heute wissen, schon ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein und -überschätzung der damaligen Menschen. Denn die Erde existierte auch damals schon lediglich im Auge des Betrachters.

Ihm folgte das heliozentrische, auch kopernikanische, Weltbild, demnach sich die Planeten (also auch die Erde und mit ihr der Mensch) um die Sonne bewege. Nach den geozentrischen Weltbild kam also das heliozentrische auf uns. Plötzlich sollte die Erde eine kleine, mehr oder weniger unbedeutende Steinkugel sein, die ziel- und zwecklos um die Sonne kreist. Kopernikus, Galilei und eine Reihe streitbarer Italiener schlossen sich diesem selbstlosen Gedanken an und stritten dafür mit dem Rest der Spezies.

Gebracht hat es ihnen nichts. Denn wir Menschen sind erstaunlich resistent gegen derartige Anflüge von Selbstentmachtung. Neben der Romantik haben wir auch die Technik entwickelt, um uns flux wieder in die Mitte des Universums zu katapultieren.

Der derzeitige Höhepunkt dieser Entwicklung ist das Internet – eine Technologie, deren ganzer Zweck zu sein scheint, dass sich der Mensch immer und überall seiner Existenz versichern kann. „Antworte mir, damit ich bin.“

Das egozentrische Weltbild ist also die bisher letzte Stufe in der Ausrichtung unseres Denkens. Das mag nicht weiter erstaunen, wenn man bedenkt, dass es schließlich wir Menschen sind, die bestimmen, was richtig und was falsch ist. Da ist es nur gerecht, das Maß aller Dinge in die Mitte des Denkens zu stellen: Ecce homo!